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Nach der Einstellung

Warum neue Mitarbeitende in der Probezeit wieder gehen

Ein Abbruch in den ersten Monaten hat fast nie fachliche Gründe. Die vier Ursachen, die wir immer wieder sehen – und an welcher Stelle im Prozess sie entstehen.

Eine Besetzung, die nach zwei Monaten wieder auseinandergeht, ist der teuerste Ausgang überhaupt: Die Stelle ist erneut offen, das Team ist verunsichert, und der Markt hat mitbekommen, dass jemand schnell wieder gegangen ist. Auffällig ist, wie selten fachliche Gründe dahinterstecken. Fast immer war die Ursache vorher angelegt.

Ursache 1: Die Stelle war anders beschrieben als sie ist

Der mit Abstand häufigste Fall. Im Gespräch war von Eigenverantwortung die Rede, im Alltag ist jede Entscheidung abzustimmen. Oder es hieß, die Position sei neu geschaffen, tatsächlich räumt jemand ein jahrelang gewachsenes Chaos auf. Beides fällt spätestens in Woche drei auf.

Das passiert selten aus Absicht. Meist beschreibt man im Vorstellungsgespräch die Stelle, wie sie gemeint ist – nicht, wie sie sich anfühlt. Ein wirksames Gegenmittel ist simpel: Lassen Sie Kandidatinnen und Kandidaten vor der Zusage eine Stunde mit der Person verbringen, die die Arbeit tatsächlich macht oder gemacht hat. Wer danach noch will, will wirklich.

Ursache 2: Niemand war für die Einarbeitung zuständig

„Die Kollegen zeigen dir alles" ist keine Einarbeitung, sondern deren Abwesenheit. Wenn Zuständigkeit nicht benannt ist, fühlt sich niemand verantwortlich – besonders in kleinen Teams, in denen ohnehin alle ausgelastet sind. Die neue Person merkt das sofort und zieht daraus die naheliegende Schlussfolgerung: Man wird hier nicht gebraucht, man wird nur benutzt.

Es genügt, eine Person zu benennen, die in den ersten vier Wochen Ansprechpartner ist, und dieser Person dafür Zeit zu geben. Das ist keine Frage von Budget, sondern von Festlegung.

Ursache 3: Das Team wusste nichts davon

Wenn eine Einstellung als Überraschung ankommt, entsteht sofort eine Frage: Warum wurde jemand geholt, statt uns zu entlasten oder zu befördern? Diese Frage wird selten offen gestellt und trotzdem beantwortet – durch Distanz.

Wer die Stelle vorher im Team erklärt, nimmt das weg. Es reicht ein Satz dazu, warum die Position besetzt wird und was sie den anderen abnehmen soll. Das kostet fünf Minuten in einer Besprechung und entscheidet häufiger über den Verbleib als das Gehalt.

Ursache 4: Der alte Arbeitgeber hat nachgelegt

Gegenangebote nach der Kündigung sind gerade in engen Märkten die Regel. Wer gut eingearbeitet ist, ist für den bisherigen Arbeitgeber schwer zu ersetzen – entsprechend groß ist die Bereitschaft, kurzfristig etwas draufzulegen. Die Kündigungsphase ist deshalb die verwundbarste Zeit im gesamten Prozess, nicht die Bewerbungsphase.

Was hilft, ist Kontakt. Nicht Druck, sondern Präsenz: eine Nachricht nach der Kündigung, die Einladung zu einem Teamtermin vor dem ersten Arbeitstag, ein Anruf in der Woche davor. Wer sich in dieser Phase nicht meldet, überlässt das Feld dem Gegenangebot. Wir begleiten diese Wochen deshalb aktiv – es ist der Abschnitt, in dem Besetzungen am häufigsten noch kippen.

Was in den ersten vier Wochen hilft

  • Ein vorbereiteter Arbeitsplatz am ersten Tag – Zugänge, Schlüssel, Technik. Fehlt das, ist die Botschaft eindeutig.
  • Eine benannte Ansprechperson mit ausdrücklich dafür freigehaltener Zeit
  • Ein Gespräch nach zwei und nach sechs Wochen, in dem beide Seiten offen sagen, was nicht passt
  • Eine erste abgeschlossene Aufgabe in den ersten Tagen – nichts bindet stärker als das Gefühl, gebraucht zu werden

Nichts davon ist aufwendig. Alles davon wird regelmäßig übersprungen, weil der Alltag dazwischenkommt – meist bei genau den Teams, die die Stelle am dringendsten brauchten.

Christian Glowatzki
Christian Glowatzki
Geschäftsführung · VIP Personal Executive Search GmbH & Co. KG

Besetzt seit über 15 Jahren Fach- und Führungspositionen über Direktansprache, mit Schwerpunkt auf der Hauptstadtregion.

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